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KEBÖ-Jahrestagung 2017 zur Zukunft der Erwachsenenbildung

Gestern fand in Wien die Jahrestagung der KEBÖ, Konferenz der Erwachsenenbildung Österreich, statt.

Weiterbildung zentrale Rolle bei Digitalisierung - „Train the Trainer“ wichtigste Voraussetzung

Die Konferenz der Erwachsenenbildung Österreichs (KEBÖ) diskutierte bei ihrer Jahrestagung am 27. September in der Sky Lounge der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) in Wien neue Weiterbildungs-Impulse, damit die digitale Transformation in Österreich gelingen kann. „Die Erwachsenenbildung war noch nie so bedeutend für die Entwicklung unseres Landes wie heute“, betonte Hausherr WKÖ-Präsident Dr. Christoph Leitl in seinem Begrüßungsstatement. „Der Zugang zum Wissen der Welt steht mit der Digitalisierung jedem offen. Den globalen Wettbewerb werden daher nicht die Kostengünstigsten gewinnen, sondern jene, die Wissen innovativ und aktuell stärken können. Die Arbeit der Verbände der KEBÖ ist wichtig, um die Freude am Lernen zu erhalten und das Begabungspotenzial der Bevölkerung zu nutzen.“ 

Sektionschef DI Mag. Dr. Christian Dorninger vom Bildungsministerium bezeichnete in seinen Grußworten die Digitalisierung als „Leapfrog-Technologie“: „Der Frosch sitzt und wartet, und dann macht er einen riesigen Sprung. Wir sind derzeit in der Sprungphase und müssen uns bewusst werden, wie wir mit Industrie 4.0, Internet of Things etc. in der Schule und im Beruf mitkommen.“

„Big Data“ für optimale Bildungsergebnisse

Wie man den „digitalen Tsunami“ effizient reitet, skizzierte der Vorstand der Bertelsmann Stiftung Dr. Jörg Dräger in seiner Keynote. Denn dass Bildung ein Massengeschäft sei, wenn im Schnitt heute 60 % eines Jahrgangs studieren, gleichzeitig aber homogene Lerngruppen längst eine Illusion wären und es deutliche regionale und soziale Unterschiede bei der Weiterbildungsteilnahme gäbe, sei eine Tatsache. Anschaulich präsentierte Dräger Leuchtturmprojekte digitalisierter Bildungsangebote wie etwa online gestellte Vorlesungen samt Prüfungen der Stanford-Universität, die 23.000 Menschen auf der ganzen Welt einen Abschluss ermöglichten, oder auch das Mittelschul-Mathematikprogramm „School of One“ in New York, das einer Brennpunkt-Schule Lernvideos zur Verfügung stellt und jedem Kind per Zentralrechner täglich ein individuell passendes Curriculum vorschlägt – mit dem Ergebnis, dass die Schüler/innen 50 % mehr Mathematik lernen als der Durchschnitt.

„Big Data hält Einzug in die Bildung und sorgt für eine Demokratisierung und Personalisierung der Angebote, hilft bei der Orientierung im Lerndschungel und bringt dank Gamification-Ansätze Emotion und Motivation“, so Dräger. Entscheidend für das Gelingen sei aber eine entsprechende Qualifikation der Lehrenden, denn „die Digitalisierung ist eine pädagogische Herausforderung, keine technische.“

Essenziell: Trainerweiterbildung

Dies unterstrich die amtierende KEBÖ-Vorsitzende Mag. Alice Fleischer vom WIFI Österreich: „Die KEBÖ-Einrichtungen leisten mit vielfältigen Weiterbildungsangeboten wesentliche Beiträge, um Österreichs Bevölkerung und Unternehmen digital fit zu machen. Es braucht aber auch ein radikales Umdenken bei der Gestaltung von Lernprozessen. Lehrende rücken vermehrt in die Rolle der Lernbegleiter/innen, die das eigenverantwortliche Lernen von Erwachsenen anhand digitaler Tools gezielt unterstützen.“ Passend dazu startet im Oktober wieder die Anmeldung für EBmooc, einem offenen Onlinekurs zu digitalen Werkzeugen für Erwachsenenbildner/innen, der heuer bereits von über 1.000 Lehrenden erfolgreich absolviert wurde.

Emotionaler Faktor

Wie Lernen im digitalen Zeitalter ganz praktisch gehen kann, zeigte Mag. Dr. Stefan Teufl, Leiter der UniCredit Academy der Bank Austria anhand der intranetbasierten Lernplattform seines Unternehmens. Eine Erkenntnis daraus betonte er besonders: „Wichtig auch beim digitalen Lernen ist der emotionale Faktor. Denn wir wissen, dass Lernen am besten funktioniert, wenn es aktiv ist, von positiven Gefühlen begleitet wird und es ausreichend persönliche Freiräume für die Lernenden gibt.“

Stimmig dazu gestaltete Dipl.-Phys. Susanne Pöchacker den launigen Abschluss der KEBÖ-Jahrestagung mit ihrer Fun-Keynote, in der sie ihr Publikum zum Tapetenwechsel für das Gehirn anstiftete. Denn Muster brechen beim Lernen, etwas Neues ausprobieren, zu Unsicherheiten ja sagen, die Veränderung nicht scheuen, das können alles erfolgversprechende Strategien sein, die Potenziale der Digitalisierung zu heben, wie Mag. Alice Fleischer in der Schlussrunde zusammenfasste.

Die KEBÖ

Die 1972 gegründete Konferenz der Erwachsenenbildung Österreichs (KEBÖ) ist die Arbeitsplattform der im Erwachsenenbildungs-Förderungsgesetz von 1973 anerkannten Österreichischen Erwachsenenbildungsverbände. Die in der KEBÖ vertretenen Bundes-Verbände sind autonom, nicht gewinnorientiert und leisten österreichweit kontinuierliche und planmäßige Bildungsarbeit. Der Vorsitz wechselt nach einem Rotationsprinzip, Vorsitzende für die Periode 2016 bis 2018 ist Alice Fleischer vom WIFI Österreich.

Die Mitglieder der KEBÖ sind: ARGE Bildungshäuser Österreich, Berufsförderungsinstitut (ARGE BHÖ), Büchereiverband Österreichs (BVÖ), Forum Katholischer Erwachsenenbildung in Österreich (FORUM), Ländliches Fortbildungsinstitut (LFI), Ring Österreichischer Bildungswerke (RÖBW), Verband Österreichischer Gewerkschaftlicher Bildung, Verband Österreichischer Volkshochschulen (VÖV), Volkswirtschaftliche Gesellschaft Österreich (VWGÖ), Wirtschaftsförderungsinstitut der Wirtschaftskammer Österreich (WIFI)

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